
ReinerEckel.de

Auch Optimisten haben hin und wieder Stunden mit schattigen Ausblicken. Dabei würde schon der Blick in die Gegenwart genügen.
In Zeitz sind diffuse Streitigkeiten im hiesigen Rathaus ja nichts wirklich Neues. Die Debatten um die Gestaltung des Zeitzer Altmarktes können da, auch in der Art wie sie geführt werden, kaum erschrecken.
Man lässt sich halt schon den Streit um das später teuer werdende Vergnügen der Neugestaltung etwas kosten. Ketten zum Beispiel, um sich ausgerechnet an einem Denkmal für die Opfer des Faschismus anzuketten. Was für ein Bild.
Es wird auch schon mal vergessen, in einem maßgeblichen Ausschuss des Stadtrates die Finanzierung des fälligen Anteils der Stadt darzustellen. Immerhin 700.000 Euro. Kein Pappenstil für einen maroden Haushalt, der kurz vor Jahresende nichtmal beschlossen ist. Kein gutes Mittel, Stadträte für die ohnehin umstrittene Altmarktgestaltung zu erwärmen. So bleibt zunächst wohl noch ein Weilchen unklar, was nun in welchem Umfang und wie neu gestaltet werden wird.
Währenddessen sind andere Entwicklungen ziemlich klar. Die demografische Entwicklung etwa. Da macht es Sinn, sich einmal die Zukunft vorzustellen. In Zukunft geht es beim Altmarkt ja buchstäblich um einen Markt für Alte. Es gibt keinen sichtbaren Grund, den Prognosen nicht zu glauben. Ehe der Altmarkt fertig ist gehört unsereins immerhin auch zu den Alten.

Wen also fragen, wie der Altmarkt künftig aussehen soll, wenn nicht die Alten? Die werden noch am ehesten wissen, was sie von ihrem Altmarkt künftig erwarten. Vor allem werden sie noch hier sein. Die Alten, also wie unsereins, haben hier längst tiefe Wurzeln gebildet und überlassen es den Jungen, ihr Heil andernorts zu suchen.
Zumindest die von den Jungen, die noch im Kopf ausrechnen können, wieviel Prozent 700.000 von 2.200.000 Euro sind rechnen für sich in Zeitz mit keiner Zukunft. Unter anderem die Debatten um den Zeitzer Altmarkt dürften diesem und jenem noch zusätzliche Auswanderungsargumente geliefert haben.
Eine ernsthafte, langjährige Debatte zu diesem Thema wäre allemal mehr Wert als die 700.000 Euro städtischer Anteil. Jedenfalls wenn diese Debatten auch zu Ergebnissen führten. Daran jedoch glaubt inzwischen niemand, Nichtmal die Alten.