
ReinerEckel.de

Der EZB-Chef hat den Leitzins auf das Rekordtief von 0,75 % gesenkt. Banken bekommen so billiger Geld. Was das wohl bedeuten kann?
Leitzins oder Leidzins, das hier die Frage.
Der eine, die Banken, werden sich schnell davon leiten lassen, Geld zu besorgen. Aber werden sie den günstigen Zinssatz auch weitergeben an ihre Kunden? Damit ist nicht unbedingt zu rechnen. Etliche Banken schleppen Lasten mit sich herum und werden Willkommensgruß herzlich gerne annehmen. Sie holen sich Geld bei EZB für 0,75 %, belassen es aber bei den aktuellen Zinssätzen bei Kreditvergaben an ihre Kunden. Sie schlürfen den Rahm ab.

Und wenn nicht? Wenn sie doch Geld für ihre Kunden verbilligt? Alles gut, alles prima? Von wegen, denn damit sind weitere Gefahren verbunden. Das Beispiel der Immobilienblase in den USA hat es uns gelehrt.
Und andere gibt es auch. Etwa solche von Unternehmen, die mit dem billigen Geld leichtfertig in Projekte investieren, die sie sonst nicht anfassen würden. Fehlinvestitionen in Größenordnungen sind die Folge. Bis hin zur Pleite.
Seit Monaten, fast Jahren sehen wir einen ständig steigenden Bauboom. Häuslebauer etwa können einen höheren Preis zahlen, wenn sie Kredite billiger bekommen. Alles gut, also? Mitnichten, denn auch, die das Häuslebauen und weiterverkaufen als Geschäft betreiben reiben sich die Hände. Der Bauboom bekommt den nächsten Schub. Man könnte auch sagen, der günstige Zins bei der EZB bläst möglicherweise den Bauboom künstlich auf.
Das Wort Blase, Immobilienblase ist uns noch gut in Erinnerung. Sie löste in den USA das erste weltweite wirkende Desaster einer Bankenkrise aus. Aktuell können davon die Spanier ein Liedchen singen.
Nach allem, was wir wissen und erlebten in diesen Tagen, wen würde erschrecken würde aus dem Leitzins von heute morgen der Leidzins.