
ReinerEckel.de

Das Auto als Flagschiff. Flagge zeigen für das Heimatstädtchen?
Manche bekommen feuchte Augen, andere sprechen von einer neuen bürgernahen Politik. Des Deutschen liebstes Stück darf jetzt wieder als Flagschiff mit den alten Kennzeichen beflaggt werden.
Ich bleibe beim BLK.
Nein, empirisch bewiesen ist das nicht, nur gefühlt. Unterwegs mit dem BLK-Kennzeichen haben mich nach dessen Bedeutung ebenso viele Leute gefragt wie zu Zeiten des guten alten ZZ. Immer ein guter Anfang für ein gutes Gespräch über Heimat, was einen hält und was einen so umtreibt.

Warum ich mein BLK-CE behalte ist denkbar einfach. Was tun wir, wenn uns auf der Autobahnraste ein unbekanntes Kennzeichen auffällt? Wir fragen, woher er kommt. Da wir Kleinstädte meistens nicht kennen, nennt man uns den Landkreis, das Gebiet.
Und wie würden wir ein Zeitzer ZZ erklären? Richtig, indem wir den Landkreis, das Gebiet beschreiben. Ohne das Loblied auf Zeitz und seine Sehenswürdigkeiten zu vergessen, versteht sich. Hinten dran kommt dann meistens noch "zwischen Leipzig und Gera".
Nein, empirisch bewiesen ist das nicht, nur gefühlt. Sehe ich mich um in meiner Stadt denke ich, mit einem Verständnis als Burgenlandkreis kommen wir auch ein Stück weiter.
Ach ja, dann ist da noch die kleine, von vielen zelebrierte selbstzerstörerische Ätzerei von damals: "ZZ - vorne Z und hinten Z, immer die Letzten". Das war natürlich heute keiner. Heute gibt's erstmal das ZZ zurück. Fürs Flagschiff.
Als würden in Zeitz täglich Kinder verschwinden, haufenweise Autos verbrannt und Häuser gesprengt wird öffentlich über die Notwendigkeit von Bürgerwehren gefeilscht. Offenbar sind die wichtigen kommunalpolitischen Themen ausgegangen. An deren Stelle treten unsinnige Debatten über vermeintliche Sicherheitslücken im System.
Latente Unsicherheitsgefühle werden dadurch unnötiger Weise befeuert. Für nachgerade gefährlich ist zu halten, wenn unter Hinweis auf zu wenig Polizeipräsenz so getan wird, als müsse der Bürger nun das System stützen. Der mündige Bürger solle sich nun aufmachen, das Recht in die eigenen Hände zu nehmen. Manchem dürfte das mehr Angst machen als die Berichte über Dachrinnenklau und zerstochene Reifen.
Es gibt reichlich Beispiele dafür wie schnell scheinbar das System stabilisierende Bewegungen in Selbstjustiz ausarten, ja zu purem Vigilantismus führten. Von "haltet den Dieb" bis "schlagt das Pack tot" ist der Weg so weit nicht.
Klar nehmen private Sicherheitsdienste diese Stimmungen gerne auf und offerieren ihre Angebote. Es sollten sich Bürgerwehrbefürter fragen, was es denn nun sein soll, das Dachrinnenklau und Reifenstecherei verhindern soll. Eine Hundertschaft aus Bürgerinnen und Bürgern mit Taschenlampe und Schlagstöcken, die sich im Stechschritt alle zwölf Stunden ablösen? Oder soll es der Hund und Goldhamster aus der Nachbarschaft richten?
Dem mündigen aber realistischen Bürger wäre stattdessen ein gesunder Menschenverstand als Bürgerwehr gegen solche unsinnigen Debatten lieber. Der nämlich würde lieber Debatten darüber haben, wie die Perspektiven für junge Menschen verbessert werden können. Der stritte gerne, weshalb uns Kinder und Jugendliche schon vor dem Schulabschluss verloren gehen, um sich später mit Dachrinnenklau und Reifenstechen zu befriedigen.
Landesausstellung „Der Naumburger Meister“ zelebriert Weltkultur. Und Zeitz als Korrespondenzstandort? zelebriert Provinzpossen, denn diese Werbung ist eine. Unter den Dächern der Dom- und Residenzstadt liegt alles im Tiefschlaf. Die Werbung ein Trauerspiel. Wenn Haseloff und Merkel wüssten, wofür sie den Schirm hin halten…
In der Mitteldeutschen Zeitung wird heute das Glück einer Frau aus Ulm geschildert. Sie fand zwar nicht die Moritzburg, hatte aber Glück, überhaupt vom Ereignis Landesausstellung zu wissen. Womöglich hat sie sich in Naumburg erkundigt. In Zeitz sind die Informationen spärlich, um nicht zu sagen Null. An heutigen Möglichkeiten gemessen.
Deshalb gibts seit Sonntag auf reinereckel.de Werbung für die Landesausstellung „Die Naumburger Meister“. Es war nur eine halbe Stunde Arbeit. Bis dahin aber war es blankes Entsetzen.

Auf der Suche nach Material und Veranstaltungshinweisen vor allem für Zeitz wurde ich fündig. In Naumburg! Auf den Seiten naumburgermeister.eu fand ich sogar alle Veranstaltungstermine in Zeitz. Und auf Zeitz.de? Fehlanzeige.
Eine dürre Pressemitteilung, Haseloff und Merkel hätten die Schirmherrschaft übernommen, ein Bildchen vom Flyer „Im Zentrum der Macht“ und eine Beschreibung sonst nichts. Garnichts. Keine Werbung an sichtbaren und üblicherweise erkennbaren Plätzen, keine Anmelde- oder Reservierungsmöglichkeit, geschweige denn eine Anfahrtskizze.
Nun hätte ich gedacht, das Bild sei wenigstens mit einem Download des Flyers verlinkt. Das normalste heute. Fehlanzeige.
Selbst die Ausstellungseröffnung für Mittwoch hat sich erst gestern ins Netz geschlichen.
Das ist, gelinde augedrückt, eine Frechheit. Schließlich fließen hier nicht nur 50 Tausend Euro städtisches Geld. So bekommst du keine Menschen in die Stadt.
Die Saale-Unstrut-Region macht Werbung auf Teufel komm raus. Es gibt eine Broschur mit Reisepaketen, du kannst sich über Downloads informieren und anmelden, wie es sich gehört.
In Zeitz aber liegen die Macher unter den Dächern der Dom- und Residenzstadt im Tiefschlaf. Das macht mich wütend und traurig. Der Hinweis auf „des Messers Schneide“ liegt schon seit Monaten im Netz. Für das Jahr 2014! Aber was nächste Woche ist, soll offenbar keinen interessieren.
Diese Fehlleistung muss im Stadtrat ein Nachspiel haben. Ja, als Zeitzer fühle ich mich regelrecht beleidigt. Haleloff und Merkel als Schirmherren ging es wohl ebenso, wenn sie davon wüssten, was hier „im Zentrum der Macht“ los ist: Nichts.
Ach doch, etwas ist den Werbemachern im Rathaus immer noch das wichtigste: dass seit 1. Mai 2009 Herr Dr. Kunze OB ist. Das steht auf der Startseite dort, wo der Naumburger Meister stehen müsste. Wenigstens bis November. Alles eine Frage der Prioritäten.
Es ist traurig und deshlab kann ich mir im Moment nur noch selbst helfen, indem ich mich darüber lustig mache. Nur um nicht auch als Trauerkloß zu enden.
Wenn diese Frauenfußball WM ein Sommermärchen wird. Dann wird das Märchen vermutlich anders erzählt als das von 2006. Jedenfalls von den fachkundigen Männern an deutschen Fußballstammtischen.
Nun sind die ersten Tore gefallen in dieser Frauenfußball WM in Deutschland. Und tatsächlich, die Tore haben Frauen erzielt.
Alles spricht vom neuen Sommermärchen. Es begann auch gut heute. Fast ausverkauftes Stadion in Sinsheim, volle Hütte in Berlin, ausgelassene Stimmung vor der Leinwand in Frankfurt, La olá – Wellen auf den Rängen, ein Sieg der deutschen Frauen im Eröffnungsspiel. Wenn diese Frauenfußball WM ein Sommermärchen wird, dann wird dieses Märchen vermutlich anders erzählt als das von 2006. Jedenfalls von den Männern.

Denn in der an deutschen Stammtischen versammelten Fußballfachwelt grummelt es vor sich hin. Schon lange. Etliche wagen sich mit ihrem kenntnisreichen Fußballfachurteilsvermögen sogar über den Rand des heimischen Stammtisches hinaus. Sie erheben ihre weissagenden Stimmen an ihren Stammplätzen bei Facebook. Sie twittern in die Welt, dass trotz Weltmeistertitel Frauenfußball eben doch „ein anderer Sport als Fußball“ sei.
Da müssen der Almsick heute im Stadion als Co-Moderatorin die Ohren geklingelt haben und heftig der Puls hoch geschlagen sein. „Wollen die mir nun meine Schwimmtitel aberkennen?“, wird sie sich gefragt haben. Schließlich kann Frauenschwimmen ja nicht von vornherein freigesprochen werden von dem Verdacht, gar nicht Schwimmen zu sein.

Das ist dann so ähnlich wie das, was sich am Rande von Frauenfußballspielen tut. Oma und Opa kommen mit den Enkeln nebst einem Picknickkörbchen. Wenn sie Zeit haben kommen Spielerinnenmänner mit Kindern und spielen hinterm Tor Völkerball und Haschen. Zwischendurch gibt es Kaffee und Kuchen für die Großen und Fassbrause die Kleinen. Volksfest und Friede, Freude, Eierkuchen. Spaß am Spiel nennen das die Freunde des Frauenfußballs.
Einen anderen Sport nennen das die Fachmänner vom Stammtisch.
Und wehe du kennst sie, die dickbäuchigen Kritiker jedes Frauenfußballsommermärchens, die japsend ein Bier brauchen, wenn sie die Zuschauerränge endlich überwunden haben. Wirf ihnen einen Ball vor die Füße und sie wissen nicht, was damit zu tun ist. So geht es denen auch mit der Frauenfußball WM. Wenn es ein Sommermärchen wird, sie werden das Märchen anders erzählen als das von 2006.
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