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Reiner Eckel


Freitag 26.April - 22:53 Uhr

Im Zweifel nehmen Sie die Elster


Wie Staus die Innenstadt beleben. Eine satirische Vision.



geschrieben für ZeitzOnline


EIN KURZER BLICK AUS DER ZUKUNFT


Wir schreiben das Jahr 2015. Tief im Süden des Landes hat sich in Zeitz eine gewisse Wendische Straße zur Bummelmeile gemausert. Während noch im Frühjahr 2013 Laden um Laden schloss und nachmittags nach halb fünf kaum noch ein Eis an den Mann, keine Blume an die Frau gebracht werden konnte wimmelt es heute von Kauflustigen aus nah und fern. Gerade zur Zeit der rush hour.




Vereinzelt und in kleinen Gruppen schwallen sie um die Ecke in Richtung der offenbar so bekannten wie beliebten Einkaufsmeile.

Die meisten eiligen Schrittes auf dem Weg zum Bäcker für das täglich Brot, Blumen kaufen für die Liebste oder einfach mal schnell ins Café Pause gleich nebenan. Sie kommen aus der Weberstraße, an dessen oberem Ende sich ein Kreisverkehr befindet.

Wer diese Ecke noch aus besagtem Jahr 2013 kennt reibt sich verwundert die Augen. Wo dereinst scharfblickige Politessen in Blau den Stadtbummelanten Knöllchen ans parkende Auto pinnten begrüßen heute Hostessen die Kurzparker. Freundlich lächeln sie aus ihren stadtfarbenen Uniformen und weisen ihnen den Weg. Erst zur Haltenische für ihr Auto, dann zur Wendischen Straße.

Selbst der mürrische ob der unverhofften Wartezeit gelegentlich auch zornige Autodeutsche wird so milde gestimmt. Was ist seit 2013 passiert?


DAMALS DIE LEUTE MIT WEITBLICK


Damals 2013 die Räte und Stadtoberhäupter, das waren noch Leute mit Weitblick. Wir erinnern uns an jenen Streit, als wegen o.g. Weberstraße ein heftiger Streit entbrannte. Es ging um den Bau eines Kreisverkehrs, ob der dort nötig sei, ob man das Geld dafür hätte, ob sich jemand lediglich eine Art Denkmal setzen wollte. Und es ging der Streit um jene Weberstraße. Die nun, seit Jahrzehnten Einbahnstraße, sollte im Gegenverkehr geöffnet werden. Zorn machte sich breit in der schmalen Straße mit den rechts parkenden Autos. Der Wutbürger beschwor Straßenlärm, Stau und Verlust der innenstadtnahen Parkplätze. Von Umsatzgefährdung war die Rede, von Schwachsinn und Kreiselmanie. Während die Leute mit Weitblick, die Räte und Stadtoberhäupter von Verkehrsberuhigung durch bessere Verkehrsverteilung sprachen rumorte es bei Anliegerwutbürgern beträchtlich.


Stürmische Zeiten


Die Vorzeichen standen auf Sturm, denn “…noch im Frühjahr 2013 Laden um Laden schloss…”. Damals im April 2013 war der Kreisel beinahe fertig. Damals im April schaute alles zum Rathaus, was denn wohl nun beschlossen würde von den Leuten mit Weitblick. Denen indes reichte es nicht, es allein bei der Öffnung der Weberstraße für Gegenverkehr zu belassen.

So setzten sie noch einen drauf: “Öffnung der Weberstraße für den Gegenverkehr unter Beibehaltung der Kurzzeitparkplätze” heißt es da im Rathausturm. Eine Mehrheit scheint geahnt zu haben, welches Potenzial in dieser Idee liegt und stimmte zu. Kopfschütteln allerorten. So schmale Straße in zwei Richtungen? Und dann noch Parken am Rand?


Weise Entscheidungen, neue Chancen

Heute 2015 wissen wir, es waren dies weise Entscheidungen. Das mit der Beruhigung durch Verteilung sollte nicht klappen. Dafür hatten die Weitblickenden neue Ideen. Mindestens zweimal täglich kam es in der schmalen Straße mit dem Gegenverkehr und den Kurzzeitparkplätzen zu heftigen Verstopfungen. Schon gab es die ersten pfiffigen Existenzgründer. “Staukaffee” und “Wartewürstchen” steht auf den Schildchen am Gassenrand. Vom Stadtoberhaupt persönlich zu Hostessen umgeschulte ehemalige Politessen geben freundlich Auskunft “Sie brauchen sechs Minuten für Ihr täglich Brot, gleich hier unten links bitte.”



Endlich ist der Service für Durchreisende auf hohem Niveau, geben rechtzeitig Schilder Tipps für den Einkaufstripp: “noch Zehn Minuten bis zum Kreisverkehr!” Nehmen Sie im Zeifel die Elster.



Tags: Wutbürger Heimat Zeitz 

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Dienstag 8.Januar - 21:43 Uhr

#KulturZeitz. Ein (Selbst)Hilferuf.


Eine kleine Einladung zum Mitmachen.
 



Wo nur liegt denn Ziegenhagen?

 

Nein, wo Ziegenhagen liegt wusste ich bis eben nicht. Denn eben las ich beim Tourismus-Marketing Sachsen-Anhalt die neue Broschüre für Kurzurlauber. Als E-Paper gerade erschienen präsentiert „Kurzurlaub in Sachsen- Anhalt 2013“ wohlgeordnet Sehenswürdigkeiten, Regionen, Veranstaltungen, Servicepakete, Kontakte. Schon auf Seite 3 „Zielorte“. Hier finde ich das altmärkische „Ziegenhagen“ unter dem Buchstaben „Z“.

Zeitz ist nicht zu finden. Nicht unter „Zielorte“, nicht in der „Straße der Romanik“, nicht in „Sachsen-Anhalts sanfter Süden“. Wie es scheint hat Zeitz weder Platz „In den Fußstapfen Luthers“ noch bekommt es etwas vom „Glanz des Mittelalters“ ab.
 

 


Zeitz also kein Ort für Kurzurlaub?


Das sehe ich genau so wie Kurzurlauber, die uns besuchten – Zeitz ist gar wohl eine Reise wert!
Was also tun? Fragen, ob unser Marketing nun unserem Image folgt oder ob es anders herum ist? Das dürfte kurzfristig ebenso wenig helfen, wie die Suche nach einem, der möglicherweise hier etwas verpasst hat. Stattdessen: 


Aufruf zur Selbsthilfe. Haschen spielen für Zeitz.


Allein die Facebookgruppe „Unser Zeitz“ hat mehr als 2.000 Mitglieder. Jedes Mitglied wiederum ist im SocialWeb mit anderen Menschen landauf landab verbandelt. Etliche Zeitzerinnen und Zeitzer sind hier schon ziemlich aktiv.

Warum nicht eine Zeit lang konzentriert mit wenig Aufwand die Möglichkeiten des SocialWeb intensiver nutzen?

 

Meine Vorschläge

Lasst uns bis in den Sommer, jeder mit seinen Accounts, folgende gemeinsame Aktivitäten verfolgen, um Menschen für unser Zeitz zu interessieren:

  1. Wir teilen, twittern, posten solche Artikel, Postings und Links mit Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen. Wohl gemerkt „teilen, posten, twittern“, ein schlichtes „gefällt mir“ ist zwar schön, reicht aber nicht.
  2. Die unter uns, die Twittern setzen hinter ihre Tweets das Hashtag #KulturZeitz und dann gucken wir mal, was da zusammen kommt.
  3. Vorzugsweise finden wir neben Postings über Facebook o.g. Artikel, Links und Hinweise unter den Seiten:

    KulturZeit(z) (Web)
    zeitz.de (Web)
    Museum Schloss Moritzburg (Facebook)
    Museum digital (Web)
    Mitteldeutsche Zeitung (Web)
    ZeitzOnline.de (Web)
    ZeitzOnline (Facebook)



Dann sind wir mal alle gespannt, wer mitmacht. Zeitz hat etwas zu bieten. Also, Gutes tun und darüber sprechen!


Fotos: Andreas Scholz (oben), Reiner Eckel (unten)


Tags: Zukunft Zeitz Heimat 

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Sonntag 25.November - 16:46 Uhr

Magnetmieter und Herzblut. Eine Art Schmerztherapie?


Provokante Bemerkungen zu provokanten Bemerkungen („Gesucht: Magnetmieter“ MZ).


Damit kein Missverständnis aufkommt: jede Belebung unserer Innenstadt heiße auch ich willkommen.
Was aber in letzter Zeit und jüngst der Oberbürgermeister zu diesem Thema von sich gibt muss den Streitgeist des Wutbürgers wecken. „Ich hänge hier mein Herzblut dran, ich will etwas für die Innenstadt tun“, gibt Herr Dr. Kunze nicht ohne Anflug von Selbstrührung von sich. Als wäre das nicht das Mindeste, was von einem Stadtoberhaupt zu erwarten wäre und nicht extra betont gehörte!


„In der Überzeichnung liegt die Chance der schonungslosen Aufklärung,“ schrieb kürzlich Klaus Steack (Präsident der Akademie der Künste Berlin und satirischer Grafiker). Ich will mich hier mit der Überzeichnung begnügen und behaupte: dieser OB ist nur ein Schmerztherapeut. Kein Visionär. Kein Macher.


Es mag ja sein, dass „Magnet – und Angelmieter“ kurzfristig für eine Belebung der Innenstadt sorgen. Wer hier Verantwortung trägt und neben dem Herzblut auch das Hirnblut bemüht muss langfristig denken. Wer die Folgen trägt und Herzblut und Hirnblut bemüht, dem müssen die jüngsten vom Oberbürgermeister als Vision angebotenen Worthülsen vorkommen wie eine Schmerztherapie. Eine Therapie gegen den Schmerz beim langsamen Dahinsterben. Mehr nicht. „Es ist eigentlich schon fünf nach Zwölf,“ konstatiert denn auch Helmut Lührs von Lührs Citybau.
Das belegen auch meine Vergleiche von Indikatoren mit einigen von genau den Städten, die als Referenzprojekte in o.g. Artikel erwähnt sind.
 



Ein mit Herzblut und Hirnblut ausgestatteter Oberbürgermeister muss sich also ganz anderen Magnetfeldern als denen von Magnetmietern für die Innenstadt widmen, will er mehr für eine nachhaltige Stadtentwicklung tun, als Schmerzpillen verabreichen. Dabei beruft sich nun Herr Dr. Kunze gerne auf „seine“ Konzepte als die Treiber von Entwicklung. Stadtentwicklungskonzept, Verkehrskonzept, Museumskonzept als Treiber der Entwicklung?
 

 

Keines dieser Konzepte hat auch nur den Hauch einer Magnetwirkung. Wichtige Fragen werden nicht einmal gestellt, geschweige denn Antworten gegeben. Wer soll es eigentlich sein, der in 25 Jahren den Kreisel am Kalktor befährt, in der Stadt einkauft, im Zentrum wohnt und etwa ein Museum besucht? Ist er Achtzig mit schmaler Rente? Ist er Dreißig und gut qualifiziert? Was kann er hier für sich finden, plant er eine Familie, so richtig mit Kindern? Wo kommen sie überhaupt her, die Zeitzerinnen und Zeitzer von morgen? Woher nehmen sie ihr Geld, wofür und weshalb sollten sie ihr Geld hier ausgeben? Lässt die Zahl und die Art der jetzigen Arbeitsplätze eine Weiterentwicklung überhaupt zu und, wenn ja welche? Wenn, nein wie stelle ich das an? Und mit wem überhaupt?
Gut, wer keine Fragen stellt, braucht Antworten nicht fürchten? Falsch. Die Antworten gibt es längst. Nachlesbar für jedermann und jederfrau. Obige Vergleichsbetrachtung war das Werk von zwei Minuten, online und öffentlich anwendbar.
 



Das machen auch jene, die mit Geld in der Hand nach Standorten suchen, es langfristig zu investieren. Magnetinvestitionen, die wir mehr bräuchten als Magnetmieter, weil sie Wertschöpfung generieren. Und die wissen genau wonach sie gucken.
 



Bei nahezu allen Indikatoren zur Potenzial- und Risikoabschätzung für Investitionen sind die Alarmzeichen Zeitz betreffend unübersehbar und feuerrot. Da darf der Wutbürger schonmal öffentlich strapazierte Worthülsen wie Magnetmieter und InnenstadtHerzblut überziehend hinterfragen. Er darf sich auch zurecht darüber freuen, dass wenigstens ein paar Wackere mit Hirn- und Herzblut in einem, sozusagen außerparlamentarischen Arbeitskreis Wirtschaft sich genau diesen Risiken und Potenzialen mit genau den richtigen Fragen stellen. Denen geht es darum, Wertschöpfung und Kaufkraft zu generieren, langfristige Entwicklung anzuschieben.
Da möchte der Wutbürger dazu auffordern mit zu tun, dass sich Stadträtinnen und Stadträte und Verwaltung dieser Initiative anschließen, sie unterstützen. Möglichst mit Herzblut, möglichst mit Hirnblut.


P.S.: was macht der Wutbürger konkret außer provokante Überziehung?: wirkt in besagtem Arbeitskreis mit, schreibt über das Gute Zeitz auf ZeitzOnline.

Grafiken: Prognos AG (1), generiert bei Bertelsmannstiftung (3)


Tags: Zukunft Zeitz Wutbürger 

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Samstag 17.November - 22:06 Uhr

Flagschiffkennzeichnung


Das Auto als Flagschiff. Flagge zeigen für das Heimatstädtchen?


Manche bekommen feuchte Augen, andere sprechen von einer neuen bürgernahen Politik. Des Deutschen liebstes Stück darf jetzt wieder als Flagschiff mit den alten Kennzeichen beflaggt werden. 


Ich bleibe beim BLK.

Nein, empirisch bewiesen ist das nicht, nur gefühlt. Unterwegs mit dem BLK-Kennzeichen haben mich nach dessen Bedeutung ebenso viele Leute gefragt wie zu Zeiten des guten alten ZZ. Immer ein guter Anfang für ein gutes Gespräch über Heimat, was einen hält und was einen so umtreibt. 
 


Warum ich mein BLK-CE behalte ist denkbar einfach. Was tun wir, wenn uns auf der Autobahnraste ein unbekanntes Kennzeichen auffällt? Wir fragen, woher er kommt. Da wir Kleinstädte meistens nicht kennen, nennt man uns den Landkreis, das Gebiet. 

Und wie würden wir ein Zeitzer ZZ erklären? Richtig, indem wir den Landkreis, das Gebiet beschreiben. Ohne das Loblied auf Zeitz und seine Sehenswürdigkeiten zu vergessen, versteht sich. Hinten dran kommt dann meistens noch "zwischen Leipzig und Gera".


Nein, empirisch bewiesen ist das nicht, nur gefühlt. Sehe ich mich um in meiner Stadt denke ich, mit einem Verständnis als Burgenlandkreis kommen wir auch ein Stück weiter.

Ach ja, dann ist da noch die kleine, von vielen zelebrierte selbstzerstörerische Ätzerei von damals: "ZZ - vorne Z und hinten Z, immer die Letzten". Das war natürlich heute keiner. Heute gibt's erstmal das ZZ zurück. Fürs Flagschiff. 


Tags: Zeitz Medien Heimat Bürger 

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Donnerstag 15.November - 20:59 Uhr

Stille hinterm Schilderwald


Aus gegebenem Anlass heute ein Stück proletarische Stehgreifpoesie.



Die Stille hinterm Wald


Einsam wirds in seinem Turm
dem Ruprecht nun, dem armen Wurm.
Einst allein in stiller Nacht
hat dieser sich was ausgedacht.

 

„Los“ rief er und „Auf die Plätze!“
auf dass man ihm ein Denkmal setze.
An seinem Thron ganz in der Nähe 
er Pflanzbedarf für Wälder sähe.

 

Dort stehn sie nun für viele Stund’
als dichter Schilderwald im Rund.
Kaum jemand der durchs Dickicht drang
fand eins wo draufstand „hier geht’s lang“.

 

So wird es einsam um den Mann,
weil niemand ihn besuchen kann.
Daran hat er wohl nicht gedacht,
einstens in der stillen Nacht.


 

Grafik: hat Rudi aus Legoland mitgebracht.


Tags: Zukunft Zeitz Heimat 

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