ECKEL's ART | Mit Verlaub, ich schäme mich.
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Mit Verlaub, ich schäme mich.

Offener Brief an den Oberbürgermeister und den Stadtrat Zeitz

Reiner Eckel / Akazienweg 25 / 06712 Zeitz / Tel.-Fax. 03441 223553 / E-Mail: info@reinereckel.de / Web: www.reinereckel.de

Stadt Zeitz
Oberbürgermeister, Stadtrat
Altmarkt 1
06712 Zeitz

Zeitz, 12.09.2014

Erscheinungsbild der Stadt Zeitz

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,

mit dem heutigen offenen Brief erwarte ich keine öffentliche Erklärung von Ihnen als Adressaten. Vielmehr will ich auf unnötige Missstände in der Außenwirkung unserer Stadt hinweisen und vielleicht etwas die Einleitung längst notwendiger Veränderungsprozesse unterstützen. Öffentlich spreche ich das Thema auch deshalb an, weil nicht öffentliche Hinweise dieser Art in der Regel folgenlos blieben und öffentliche Debatten häufig den Blick öffnen oder überraschende Anregungen bringen.

Heute, am 12.09.2014 abends werden zum siebten Mal Hunderte, wir alle hoffen Tausende Menschen in die Zeitzer Innenstadt kommen. Es ist Lichtereinkauf, organisiert von Einzelhändlern, dem Stadtmarketingverein, Unternehmer-/innen und etlichen Freiwilligen. Die Stadt Zeitz wird sicher in ordnungsrechtlichen und anderen Fragen ihren Teil dazu beitragen. Nach außen sichtbar wird das nicht, im Gegenteil.

Auf zeitz.de, der offiziellen Website unserer Stadt liest sich der Hinweis auf den Lichtereinkauf so:

Lichtereinkauf

in der Innenstadt
Termin

12.09.2014

Veranstaltungsort
Innenstadt Zeitz

06712 Zeitz  – OT Zeitz
Kategorien: Sonstiges

Website Aktuelles

D

er Veranstaltungshinweis enthält darüber hinaus: nichts. Es gibt keinerlei Information über den Beginn, den genauen Ort, kein Programm und nicht einmal einen Link dorthin, wo diese Informationen zu erhalten wären. Von so etwas wie einem einigermaßen ansprechenden Layout will ich gar nicht reden. Dabei hängen doch ansehnliche Plakate aus, existieren Fotos und sind es doch obendrein nur wenige Handgriffe, die ein aussagekräftiger Artikel notwendig machte.

Mit Verlaub, das finde ich ziemlich peinlich. Als Händler, Unternehmer oder Freiwilliger würde ich das als Beleidigung, mindestens als Missachtung auffassen. Als Seitenbesucher, etwa aus einer Nachbarstadt, würde ich auf den Kalender blicken und mich kopfschüttelnd abwenden. Ja, wir schreiben das Jahr 2014 und nein, dieser Eintrag macht mich nicht neugierig. Das aber muss doch eine wesentliche Funktion des Erscheinungsbildes einer Stadt sein – auf sich aufmerksam und neugierig machen.

Website virtueller stadtrundgangAls Einwohner unserer Stadt schäme ich mich für diesen Auftritt. Wäre diese geschilderte Peinlichkeit eine Ausnahme, eine Panne – ich spräche das nicht öffentlich an. Doch leider ist dieses halbherzige Herangehen die Regel und vor allem ist es als Mangel permanent öffentlich sichtbar, und zwar überall in der Welt.

So finden Seitenbesucher seit Monaten unter der Navigation „Aktuelles“ keinen einzigen Eintrag und unter „Kultur und Tourismus“gar werden vier abgelegte mickrige und unkommentierte Bilder als „virtueller Stadtrundgang“ bezeichnet. Unter Kultur und Tourismus wohlgemerkt!

Mit Verlaub, das finde ich ziemlich armselig. Es gibt eine Reihe weiterer unachtsamer Vernachlässigungen in der Außendarstellung unserer Stadt, die ohnehin über ein einheitliches und modernes Erscheinungsbild noch immer nicht verfügt. Exemplarisch will ich es bei den Beispielen belassen.

Ich bitte Sie hiermit eindringlich, solche Missstände im Erscheinungsbild unserer, meiner, Ihrer Stadt unverzüglich zu beseitigen.
Dafür bedarf es aus meiner Sicht weder großer Konzepte, auf die sich gerne berufen wird, noch ist es mit nicht beherrschbarem finanziellen Aufwand verbunden. Sie und wir müssen es einfach nur tun. Im Wettbewerb der Städte und Regionen werden wir mit einem altbackenen, nicht auf Zukunft orientierten Erscheinungsbild nicht bestehen können.

Gerne bin ich und sind sicher andere Bürger-/innen bereit, an notwendigen Veränderungen mitzuwirken.
Erst in jüngster Zeit konnten wir über Veranstaltungen und Veröffentlichungen zur Zeitzer Geschichte berichten, die sowohl vom Inhalt als auch in ihrer Form überregional höchste Anerkennung erfahren. Einige davon gehen zurück auf bürgerschaftliches und unternehmerisches Engagement. Wir haben also als Stadt und in unserer Stadt Stärken wie andere Städte auch.
Gerade deshalb müssen wir gemeinsam mit unseren Stärken an den hier beispielhaft beschriebenen Schwächen arbeiten. Dabei muss jedoch klar bleiben: die notwendigen Veränderungsprozesse endlich in Gang setzen, das liegt in Ihrer Verantwortung.

Mit freundlichen Grüßen
unterschrift

Reiner Eckel

  • Andreas Benzig

    Sehr schön hoffnungsvoll und verständlich geschrieben, aber ob es die Verantwortlichen verstehen, bezweifle ich..schönen Abend und viel Erfolg in meine alte Heimat..

    Andreas Benzig

    Antworten
    • reinereckel

      Doch, sie haben es verstanden.
      Ich hatte inzwischen ein interessantes Gespräch wegen des Briefes. Nun bin ich gespannt, was davon wann tatsächlich umgesetzt wird. Wäre ich nicht optimistisch, brauchte ich den Brief nicht schreiben.

      Antworten

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