
Reiner Eckel 1956
"Ein leistungsfähiger Rüpel"
"Wenn einer Scheiße baut ist es Eckel. Wenn zwei Scheiße baun ist Eckel dabei," wusste einst in Klasse Sieben der Klassenlehrer zu sagen.
Recht hatte er. Und der war Eckels Lieblingslehrer. Später wird er sagen: "Ein leistungsfähiger Rüpel, aber für gesellschaftliche Arbeit immer zu haben." Letzteres hält sich hartnäckig bis heute.
Das mit dem Sch... bauen zog sich lange hin. Der letzte Groschen fiel dann in der Berufsausbildung. Es waren die Lehrmeister und Vorarbeiter im damaligen Köthener Förderanlagenbau, bei denen war nix mit Sch... bauen und große Klappe haben. Von brav kann nicht gesprochen werden, doch am Ende war Eckel Facharbeiter für Stahlbau. Drei Schichten, das Wochenende frei. Da blieb Zeit zum Luftablassen.
Gut, das mit der Sch... hörte dann auf. Das mit der großen Klappe hat sich offenbar auch gehalten bis heute. Es kann ja nicht wirklich schaden, eine Meinung, seine Meinung zu haben und sie zu sagen. Oder sie zu schreiben.
Gleichschritt zum krank lachen
Das hat sich dann ab 1972 in 18 Monaten Wehrdienst bei der BePo in Halle gezeigt. Politischen Offizieren war nicht immer recht, was da vom Wandzeitungsredakteur gestaltet und verfasst wurde. Und auch ein Zugführer mit Eckel im Glied hatte nicht viel Gelegenheit für das eigene letzte Wort. Eckels stete gute Laune machte den wütend. Immerhin brachte das den Dienst neben der Waffe ein. Ein Wut schnaubender Spieß rief: "Eckel vortreten. Sie sind ab sofort in die Heizung abkommandiert. Sie bringen mir hier nicht mehr die Kompanie durcheinander."
Außer Urlaub gab es auch nicht viel, was da ernst zu nehmen war. Eher zum krank lachen. Wie der Gleichschritt und die Dienstsprache.
Mit Lust und Laune schweißen und schrauben
Ernster dann die Zeit nach dem Wehrdienst. Wohnungsnot in Köthen, Jobs mit Wohnung in Zeitz. Also 1974 umsiedeln dorthin, wo Eckel heute noch lebt und arbeitet. Arbeiten hieß im damaligen Hydrierwerk bis 1990 mit Lust und Laune Rohrleitungen und Flansche schweißen und schrauben.
Es gab nicht viele, die das machen wollten
Dann war die Wende und Mitbestimmung zog in den betrieblichen Alltag. Es gab nicht viele, die das machen wollten. Was sich anfangs wie Zukunftlust und Aufbruch anfühlte wurde zur harten Schule. Als Betriebsrat scheibenweise Entlassungen von über 4000 Menschen nicht verhindern können, das waren sechs Jahre Knochenjob.
Das und leben in der Familie mit zwei Söhnen schärfte den Blick für die Löcher im Netz der Gesellschaft, weckte die Lust auf Politik. Vier Jahre im Landtag des Landes der Frühaufsteher (1998-2002) blieben eine lehrreiche Episode ohne tiefe Spuren in der Landesgeschichte. Dagegen ist die Stirn etwas krauß.
Projekte, Projekte, Projekte
Seit 2003 wird in Projekten gedacht und gearbeitet. Zielorientiertes Arbeiten von hier nach da ist überwiegend lustvoll und bereichernd, die Nebenherarbeit in Marketing und Öffentlichkeitsarbeit abwechslungsreich und ständiges Lerngebiet.
Denken und arbeiten in Projekten hilft auch im Privaten.
Gelegentlich dazwischen...
...wird ein Haus umgebaut, werden Bäume gepflanzt, wird gemalt und gestaltet. Gelegentlich dazwischen kommt nochmals ein vergeblicher Wahlkampf und tägliche Politik sowieso.
Gelegentlich dazwischen entstehen neue Leidenschaften, etwas das Bloggen. Wer blogt braucht noch Social Media als Leidenschaft, damit die Welt auch erfährt, was gedacht und geschrieben wird.
Ob die Welt das wissen muss, was von Eckel dedacht und geschrieben wird? Das ist wie damals: es hält sich hartnäckig bis heute.