ECKEL's ART | Ein Ständchen!
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Ein Ständchen!

Kleine Geschichte von besonderen Tagen.

S

ie brachten einander Ständchen. Damals, das waren noch Zeiten. In den Fünfzigern sang der Siedlerchor ab der silbernen Hochzeit aufwärts und an runden Geburtstagen dem Nachbarn ein Ständchen. Bei der gülden umrankten 60 ging das los. Bei Oma Nachbar wie der semmelblonde Steppke sie nannte sang er das erste Mal mit. Stolz wie Bolle, der kleine Hahn im Korb. Das erste Ständchen für die Damen im Chor musste gefühlt so zehn Jahre zurück liegen. Mindestens. Der Steppke fand sie alle ziemlich alt.

Wochenlang hatten die zittrigen Omastimmen und der Semmelblonde heimlich geübt.

„Lobet den Herren, preist seine Gnade,
die uns geführet glückliche Pfade…“

Es war immer dasselbe Lied. Und jedes Mal war der Hahn im Korb aufgeregt. Denn beim Üben gab es Malzkaffee für den Steppke und Streuselkuchen. Den mit den buttrigen Löchern drin, mit diesen goldknusprigen Riesenstreuseln.

Nach fünf Mal Riesenstreusel im Garten dann saß der Text. Weshalb die betagten Damen so angestrengt zu schreien schienen konnte der Steppke erst später wissen. Er wollte nur singen. In den Pausen wundert sich der Semmelblonde. Sie, die er ziemlich alt fand, reden über Zukunft.
Dann der Festtag mit dem Ständchen- Mutti zog das feine Tuch für den Steppke hervor. Vom weißen Hemd der Rüschchenkragen ordentlich über das Jäckchen gelegt, kurze Hose im Schwarz der Jacke, weiße Kniestrümpfe und lackierte Sandalen.

Der festliche Chor hat seinen großen Auftritt. Meistens im Vorgarten, vor den bunt geschmückten Hauseingängen. Dort hatten sich die Festgäste versammelt. Zuvorderst die mit dem Kränzchen aus Silber oder Gold im Haar. Der semmelblonde Steppke fand sie alle ziemlich alt.

A

uch heute gibt es diese besonderen Tage. Obwohl der Semmelblonde schon als Kind beim Ständchen den Herren lobte und seine Gnade pries, er hatte sie nicht. Der Herr die Gnade. Das Haar ergraut und ausgedünnt und der Steppke von gegenüber fragt ob er auch schon Opa sei. Nein, ist er nicht, nur so alt ist er schon. Und Streuselkuchen, ja, den mag er immer noch. den mit den Butterlöchern und den Riesenstreuseln.

Das Haus des Graumelierten ist nicht festlich geschmückt. Doch der Nachbar kommt mit Blumen. Und Glückwünsche in Massen gibt es via Facebook, ein Film ist auch dabei. Mit einem Feuerwerk. Bilder mit Blumen und flotten Reimen kommen per E-Mail. Man ruft sich an. Vertraute schenken schöne Musik.

Und dann kommt es doch noch, das Ständchen. Im entfernten Büro haben sich die Kollegen am Telefon versammelt: „Happy Birthday to you,…“ Danke. Lasst uns etwas über Zukunft reden. Bei Streuselkuchen mit den Riesenstreuseln in Butterlöchern.

*) mal die Maus aufs Bild gehalten?

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