ECKEL's ART | Frau Merkel macht kein Bäuerchen.
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Frau Merkel macht kein Bäuerchen.

Frau Merkel gibt sich nach einmaligem Zickzackkurs als geradlinige Macherin. Wer nach dem Eurogipfel und schwerer Kost auf Merkels Bäuerchen wartet, der wartet vergebens. Wie immer.

Und ich dachte schon, Kurt Beck im Saarland und meine SPD seien die Einzigen, die auch Niederlagen noch gut zu feiern wissen. Nicht erst seit Freitag und diesem Eurogipfel wissen wir, Frau Merkel kann das noch besser.

Frau Merkel tut zur rechten Zeit was sie am besten kann. Wenn sie ihre öffentlich verlautbarten Ziele nicht erreichen konnte und wichtige Positionen aufgeben musste macht die Gewiefte die kleinsten Details zu wichtigen Nachrichten. Und, sie lobt die Positionen der anderen als seien es die ihren. Klar, musste sie nach diesem Eurogipfel der erneuten Griechenlandrettung auch tun. Es ist schon faszinierend, diese Merkel geht nach grausigem Wettkampfverlauf als Vierte durchs Ziel, um sich kurz hinter der Linie auf das mittlere Treppchen zu stellen und sich zu feiern.

Und mit welch wichtigen Sätzen sie einleitet!:

Es ist eine historische Aufgabe, den Euro zu schützen. Ohne den Euro ist Europa nicht denkbar.

Dabei sind nichtmal zehn Jahre vergangen seit seiner Einführung, haben wir uns das Europa zuvor also nur geträumt?
Fairer Weise muss erwähnt werden, dass sich Merkel und Schäuble mit der „sanften Umschuldung“ über die Verlängerung von Staatsanleihen und die freiwillige Beteiligung der Banken in der Umschuldung Griechenlands durchsetzen konnten. Das sind eben sind solche Details, die Merkel jetzt als ihre revolutionären, historisch bedeutsamen Siege verkauft.
Die können jedoch über ihren, mindestens auch historischen, ZickZackkurs nicht hinweg täuschen. Denn bis hierhin und danach noch hat Merkel schwergewichtige Positionen aufgeben müssen.

Etwa den Beschluss des Gipfels am gleichen Tag, dass der EU-Rettungsschirm Staatsanleihen auch anderer gefährdeter Länder aufkaufen darf. Das werde es mit Deutschland nicht geben, war noch vor dem Gipfel von Merkel öffentlich zu hören.

"Grüß Gott Frau Merkel, wo bitt' schön gehts denn hier nach Euroland?" "Nehmen Sie meinen Weg, lassen Sie die Hoffnung links liegen, dann im ZickZack immer den Bach runter."

Und auch darüber spricht niemand mehr:
Um satte 440 Milliarden wurde im März der EU-Rettungsschirm aufgestockt. Eine Woche zuvor war das von Merkel und Schäuble noch „als völlig unnötig“ abgetan. Und schließlich, was schon fast vergessen ist: die über Nacht von Merkel im Bundestag durchgepeitschten Griechenlandhilfen klangen zwei Wochen vorher so: „Griechenland muss sich zunächst selbst helfen.“ Wir erinnern uns noch gut wie die Zielstrebige, Merkel das Urlaubs und Feiertags verwöhnte arbeitende Volk Griechenlands böse anprangerte.

Was offensichtlich Frau Merkel seit dem Gipfel zum Freitag völlig verdrängt hat: dieser Gipfel hat mit der Neuausrichtung des Rettungsschirms die gemeinsame Schuldenhaftung aller Staaten eingeleitet. Etwas also, was die deutsche Kanzlerin zuvor beschwor, es dürfe nicht und es wird nicht passieren.
Dies öffentlich zu sagen ist Merkels Stil nicht, gehört nicht zur Strategie, noch in der Niederlage als Siegerin zu posieren. Das käme ja auch einem ungehörigen Bäuerchen einer Kanzlerin nach dem Genuss schwerer Kost gleich. Und diese Niederlage ist für Merkel und Schäuble schwere Kost. Runter schlucken mussten sie die mit bitterer Miene. Auf Merkels Bäuerchen indes warten wir vergeblich.

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