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Koste es was es wolle?

Fachkräftemangel. Aus dem derzeit häufigsten Wort und wichtigstem Thema macht die Regierung Programme und einen Selbstbedienungsladen. Koste es was es wolle?

Handwerksmeister Müller (Name geändert) braucht einen Azubi. „Koste es was es wolle,“ hat er gemeint. Müller hat es immer so gehalten. Die bei ihm den Job des Elektrikers lernten arbeiten dann auch bei ihm. Sein jetziger ist eben fertig und bleibt auch. Die meisten bleiben lange. So rechnet sich das für Müller. Ausbildung kostet. Nun ist Mueller verzweifelt. In vier Jahren geht sein Vorarbeiter altersbedingt von Bord und jetzt kündigt sein bester Mann an er wolle sich in Kürze selbständig machen. Müller zwischen Stolz und Ratlosigkeit. Stolz weil er dem kuenftig Selbständigen alles Wissen und Können vermittelte das er dafür braucht. Ratlos und verzweifelt, weil er keinen Azubi findet. Und es ist schon Mai. Dabei hatte Müller hart kalkuliert und sich zwei Jahre auf seinen neuen Azubi eingestellt. In drei Monaten beginnt das Ausbildungsjahr. Nun weiß der Handwerksmeister was Fachkräftemangel bedeutet.

Später wird Müller erfahren, dass auch Regierungen unter Fachkräftemangel stark leiden. Ganz plötzlich. Und er wird erfahren wie leicht es da ein Minister mit der Beschaffung von Fachkräften hat. Jedenfalls wenn er in Sachsen-Anhalts großer Koalition Minister ist.

Die nämlich schafft mal eben 45 neue Stellen und beginnt damit, sie zu besetzen.  Schließlich seien die Ministerien neu zugeschnitten worden.
In den Ministerbüros, so wurde verlautbart, brauche man neues Personal für neue Aufgaben. Hoch qualifiziertes Personal brauche man. Das sei schon im April beschlossen worden. In einer Protokollnotiz. Davon hätte Müller auch gerne eins. Vom dem Personal. Auf Protokollnotizen kann der Handwerksmeister gut pfeifen. Wenigstens einen Azubi muss er haben.

Als Müller erfährt, die 45 neuen Stellen würden um die 4 Millionen Euro jährlich kosten beginnt er, nach Erklärungen zu suchen. Womöglich mache er ja etwas falsch.

Eine Erklärung wollte dem gestandenen Handwerker nicht einleuchten. Die kam vom Finanzminister, der meinte, sein Ministerium betrachte und führe er schließlich als Unternehmen. Und ein Unternehmen würde neue Aufgaben auch mit neuen Leuten machen. Müller, Handwerker vom alten Schlag, brachte das ins Grübeln. Schließlich habe der immer erarbeitet, was er später ausgeben wollte. Oder wenigstens konnte er die begründete Aussicht haben, er könne es erarbeiten.

Nur einen Tag später durte nun Müller der Presse entnehmen, das mit dem Fachkräftemangel sei bei der Landesregierung gar nicht so schlimm. Ein Beispiel für den geballten Sach- und Fachverstand seien Wirtschaftsministerin Wolff und Kultusminister Dorgerloh. Die nämlich würden sich künftig den Vorsitz der Kultusministerkonferenz teilen! Wenn das nicht strotzt vor Kompetenz. Und von Feingefühl.

In Müller, der nun wahrlich kein Wutbürger ist, beginnen nun doch die Adern am Hals zu glucksen. Genauso wie damals.
Es war wieder die Zeit der Herausgabe von Slogans, die damals noch Losung hießen. Eine davon: „Aus jeder Mark,  jeder Stunde Arbeitszeit und jedem Gramm Material einen höheren Nutzeffekt!“  Damals hatte Müller hinter die Losung geschrieben: „koste es, was es wolle!“

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