ECKEL's ART | Unterernährt oder zu dick?
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Unterernährt oder zu dick?

Heute aus dem Beschissatlas: Ernährungsbeschiss

B

ei der Ernährung werden wir massiv beschissen, etwa durch Großkonzerne, die minderwertige oder falsch deklarierte Nahrungsmittel liefern. Oder durch Spekulanten in Banken, Renten- und Indexfonds, die Preise für Grundnahrungsmittel hochtreiben.

Aber wir bescheißen auch andere, indem wir ihnen die Lebensgrundlagen quasi wegessen…..
Noch nie haben so viele Menschen weltweit gehungert wie heute. Alle 5 Sekunden stirbt irgendwo ein Kind an Hunger. Ein Skandal ohnegleichen und ein deutliches Indiz für die massive Fehlentwicklung des westlichen Agrarsystems.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung ist inzwischen fehlernährt: Diese Menschen sind entweder unterernährt oder zu dick. Die agroindustrielle Landwirtschaft, die auf Dünger, Pestiziden und Gentechnik beruht, zerstört weltweit Lebensgrundlagen von Kleinbauern und ruiniert Böden und Weltklima. Sie ist in keiner Weise zukunftsfähig, zumal das Öl, aus dem Kunstdünger hergestellt wird, irgendwann zu Ende geht. Auf dieser Basis kann man keine 9 Milliarden Menschen ernähren, die 2050 den Planeten bevölkern werden.

So heißt die zentrale Botschaft des Weltagrarberichts 2008: „Weiter wie bisher ist keine Option“

LEBENSMITTEL"Die Brotmenge, die auf dem Müll landet,
würde für ganz Niedersachen reichen."
D

as Essen, das in Europa weggeworfen wird, würde reichen, um alle Hungernden auf der Erde 2-mal satt zu machen. 1/4 des weltweiten Wasserverbrauchs wird für den Anbau von Nahrung verschwendet, die letztlich im Abfall landet.

N

icht einmal die Hälfte der Bundesbürger kocht regelmäßig. 30% tun dies gelegentlich, knapp 20% nie. Kochshows im Fernsehen erreichen hingegen Top-Quoten.

W

enn wir die weggeworfene Menge der Nahrungsmittel auf die Hälfte reduzieren, könnten wir so viele Treibhausgase einsparen wie mit der Stillegung jedes 2. Autos.

Streiche statt die Milchschnitte übers Foto (Foto: taz.de)

 
Wie ein Bumerang!

Europäische Fischfangflotten schädigen mit ihren riesigen Schleppnetzen ganze Lebensräume im Meer. Zudem plündern sie vor den Küsten Westafrikas die Fanggründe kleiner einheimischer Fischer. In Nigeria gibt es bereits Piratentrupps aus erwerbslos gewordenen Fischern.

!

Wegen Überfischung durch kommerzielle Fangflotten sind die Bestände wichtiger Fischarten um mehr als 90% reduziert.

HUNGER, DURSTUNSER LEBENBEZAHLEN ANDERE
E

ine winzige Minderheit macht weltweit Geschäfte mit der Not der riesigen Mehrheit: Spekulation ist mit- oder sogar hauptverantwortlich für den sprunghaften Anstieg der weltweiten Nahrungspreise, vor allem in den Jahren 2007/2008 und 2010/2011. Finanzunternehmen wie die die Deutsche Bank, Golgman Sach & Co oder Barclays legen sogenannte Index- und Agrarfonds mit verschiedenen Rohstoff-„Futures“ auf, die die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben. Das sind Wetten auf die Preisentwicklung der gehandelten Rohstoffe ohne jeden volkswirtschaftlichen Nutzen. Die Deutsche Bank erwartete davon Renditen von 40%, so viel wie nirgendwo sonst, Barclays sogar bis zu 50%.

D

ie Spekulation mit Lebensmitteln war hauptverantwortlich für die Hungerkatastrophe von 2011 mit rund 12 Millionen Hungernden in Ostafrika. Laut einer Weltbankstudie von 2011 verteuerten sich Nahrungsmittel wie Mais, Weizen, Zucker, Hirse oder Reis zwischen 33 und 240%.

Die Kombination aus steigenden preisen für Lebensmittel und Öl schaffe einen „Molotowcocktail für Afrika“, so der Leiter der afrikanischen Entwicklungsbank, Donald Kaberuka.

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Womöglich haben Sie eben gut gegessen und dazu ein Bierchen oder ein Glas Rotwein getrunken. Sollen Sie auch. Und wenn Sie nach dem Aufräumen zur braunen Tonne gehen haben Sie zuvor einen Moment inne gehalten. Das wäre schön.

QUELLENANGABEN

Ute Scheub/Yvonne Kuschel (Illustrationen): Beschiss-Atlas. Zahlen und Fakten zu Ungerechtigkeiten in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt

Ludwig Verlag, Euro 19,99, ISBN 978-3-453-28037-3

Für diesen Artikel wurden Textteile und Illustrationen aus o.g. Buch verwendet und in freier Gestaltung abgebildet.

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