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Was WikiLeaks falsch macht und woher die Lust auf Regulierung kommt.

„Freien Zugang zu Informationen!“ tobt es aus demokratischen Ländern wenn Diktaturen wie etwa in China Einschränkungen vornehmen. Irgendjemand, vielleicht WikiLeaks selbst wird irgendwann aufdecken weshalb Firmengründer Assange hinter Gittern verschwinden musste. Wenn er unschuldig ist.Was aber macht WikiLeaks nur falsch?
Wir schreiben das Jahr 2002. Weit im Osten regiert ein Diktator nach Belieben und hat eben sein Land vom Internet abgehängt. Grund: Ein gewisser Assange hatte in der Internetplattform WikiLeaks über Greueltaten an der Zivilbevölkerung berichtet, dies mit originalen Videoaufnahmen aus dem Diktatorpalast belegt und geheime Papiere des Diktators veröffentlicht. Minutiös aufgelistete Schlachtpläne wie seine Söldner den aufkeimenden Widerstand im eigenen Land brechen sollen. Später tauchten noch Enthüllungen über Familienclans auf, die sich über das Landesvermögen her machen. Das darf das Volk nicht wissen. „Wissen ist Macht“, wusste schon Bacon. Ich hab die Macht, also habe ich das Wissen, mag der Diktator gedacht haben und machte kurzerhand die Internetschotten dicht.

Kaum war dies bekannt geworden traten Weltpolizist USA und andere demokratische Staaten auf den Plan. Der freie Zugang zu Informationen, die Information selbst und die freie Meinungsbildung seien grundlegende Menschenrechte. Gegen die Unterdrückung von Information müsse die Staatengemeinschaft jetzt energisch vorgehen. Schließlich seien gerade vernetzte Informationsstränge wie das Internet und Plattformen wie Wikileaks geeignet Diktaturen unter den öffentlichen Rechenschaftsdruck zu zwingen.

Was also macht WikiLeaks heute falsch? Heute fordern selbst liberale Demokraten Beschränkungen der Informationswege im Internet, sind entrüstet über jüngste Veröffentlichungen von WikiLeaks.
Während sich Mastercard und co. heftigen Webangriffen wegen ihres Rückzugs bei Wikileaks ausgesetzt sehen prallen in der Debatte um Internetbeschränkungen Welten aufeinander. Ich frage mich indes wieder und wieder: was haben Assange und WikiLeaks eigentlich falsch gemacht?
Klar ist, Machtstrukturen gibt es nicht nur in Diktaturen. Keine Organisation, kein Unternehmen, ja auch keine Demokratie kommt ohne Machtstrukturen aus. „Wissen ist Macht,“ gilt auch für diese Machtstrukturen. Auch in unserer Demokratie.

Hier und nur hier ist das Problem für WikiLeaks. Das Internet kennt keine Machtstrukturen. Jeder hat ungehinderten Zugang zu Informationen und jeder kann seine Informationen ungehindert verbreiten. Falsch kann ich das nicht finden. Auch denn nicht, wenn natürlich andere über meine Gewohnheiten und Bedürfnisse mehr erfahren als auf jedem anderen Weg der Information. Das jedoch ist mein Risiko, ich habe mich darauf eingelassen. Gemessen am Gewinn ist mir jedenfalls dieser Preis nicht zu hoch. Wenn jeder sein Wissen und das Wissen anderer im Internet erwerben kann, wenn jeder sein Wissen im Internet weitergeben kann, dann kann also jeder Meinung machen. Meinung machen und Meinung bestimmen ohne sich Machtstrukturen unterordnen zu müssen. Das ist neu.

Was also ist WikiLeaks Problem, was machen sie falsch? Denen, die jetzt laut über Regulierung im Internet nachdenken, war das grenzenlos unregulierte Wissen aus dem Internet solange recht, wie es die Macht etwa unseres Diktators brechen konnte. Denen war das grenzenlos unregulierte Wissen recht solange sie damit selbst Meinung bestimmen konnten. Jetzt hat WikiLeads an ihrer Macht gekratzt. User, keiner Machtstruktur unterworfen machen Meinung. Am Ende hat das Volk das Wissen, das Macht bedeutet, macht das Volk Meinung, regiert das Volk. Also rufen Sie auch hierzulande: „Regulierung des Zugangs zu Information!“ Alles zum Schutz des Individuums versteht sich.

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