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Wer zu früh aufsteht muss nachsitzen.

Wer früher aufsteht muss nicht zwangsläufig der Ausgeschlafenste sein. Die gerade öffentlich werdende Debatte um die Rückkehr zum Ganztagsanspruch in den KITAS macht Defizite deutlich. Da würde ich Nachsitzen anordnen.

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Neulich in einer Sekundarschule. Ein Neuntklässler sollte die Durchschnittsnote aus seinen Noten in naturwissenschaftlichen Fächern nennen. Mathe 3, Physik 3, Biologie 3, Chemie 3 war zu hören. Für den Durchschnitt musste der Taschenrechner her. Im Land der Frühaufsteher wird die Zeit offensichtlich nicht immer effektiv genutzt. Zum Beispiel für Übungen im Kopfrechnen.

Gelegentlich hilft da auch kein Stab von Fachleuten, wie sich gegenwärtig in hiesigen Ministerien zeigt. Offensichtlich haben zu früh aufgestandene und nicht ganz ausgeschlafene Experten ihre Minister auf falsche Gleise gesetzt, als sie ermittelten, was die Rückkehr zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung kosten würde. Der Finanzminister ermittelte Mehrkosten von 15 Millionen, der Sozialminister korrigierte erste Berechnungen von 30 Millionen auf nunmehr 41 Millionen Euro.

Haben sie also beide zwei Dinge gemeinsam. Eigentlich drei.
Beide wollen die Rückkehr zur Ganztagsbetreuung in den KITAS, wie es der Koalitionsvertrag schließlich auch vorsieht. Beide sind sich nicht sicher, was das am Ende kosten wird. Und beide zählen zu den Frühaufstehern.

Angesichts dieser Rechenexempel wird sich mancher im Ländle erst die Augen wischen und dann die Hände reiben. „In Sachsen-Anhalt steht man früher auf. Bei uns bleibt dafür niemand sitzen.“ titelt ein Teil der umstrittenen Imagekampagne Baden-Württembergs. Am längeren Schlafen wird es nicht liegen, weshalb das Ländle im Bildungsvergleich besser weg kommt.

Nun werden einmal mehr Streckungen in der Gesetzgebung, Verschiebung der Zeitachsen diskutiert. Gar von „Verschiebebahnhof“ ist die Rede, weil es geht um Geld. Um Geld für Bildung unserer Kinder, das fällt den Frühaufstehern ziemlich spät ein.
Da war doch die Besetzung von 40 neuen Stellen in den Ministerien für vier Millionen im Jahr schon eher was. Schnell und sicher berechnet, schnell besetzt.

Einmal von Zusatzkosten und offensichtlich unterschiedlichen Rechenwegen abgesehen wird der halbwegs Ausgeschlafene hierzulande längst bemerkt haben: Geld, das in Bildung und Erziehung vorher gespart wird, kommt uns nachher teuer zu stehen.

Überdeutlich ist seit Jahren, dass es am Übergang Kindergarten :/: Grundschule zunehmend häufig die ersten gravierenden Brüche in den noch jungen Biografien gibt. Innere, wenn nicht gar totale Schulverweigerung, Hyperaktivität und zunehmende Aggressivität sind viel zu oft lang anhaltende Folgen. Später werden immer mehr Sekundarschüler orientierungslos in die Schulabgangsphase torkeln. Wenn du Glück hast, triffst du noch welche, die von der beruflichen Zukunft mehr wissen, als dass sie „was mit Tieren oder was mit Kindern“ lernen wollen. Und sogar ihre Durchschnittsnoten berechnen können. Alle können das längst nicht.

Abhilfe sollen, unter Bereitstellung beträchtlicher öffentlicher Mittel, ersteinmal Schulsozialarbeiter-/innen schaffen. Später steigen Berufseinstiegsbegleiter-/innen, auch unter Bereitstellung beträchtlicher öffentlicher Mittel, in das Geschehen bei der Berufsvorbereitung an Sekundarschulen ein. Parallel dazu laufen ungezählte Projekte, auch unter Bereitstellung beträchtlicher öffentlicher Mittel, um die Folgen der verpassten Gelegenheiten von Bildungs- und Erziehungspolitik wenigstens zu mildern.

Macht einer, der zwar nicht früh aufgestanden dafür aber ausgeschlafen ist, darunter einen Strich und bemerkt verwundert: worüber streiten sich die Frühaufsteher eigentlich? Dem Ausgeschlafenen muss klar sein: was am Beginn von Bildung und Erziehung gespart wird, das zahlst du am Ende drauf.
Wir stehen früher auf und können es sehen, hören und erfahren. Auch deshalb stehen manche von uns früher auf und müssen länger bleiben. Nachsitzen müssten andere.

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