ECKEL's ART | „Wir sehn uns morgen“. Vom Charme des Vergänglichen.
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„Wir sehn uns morgen“. Vom Charme des Vergänglichen.

Was wir gerne vergessen, wenn wir den Zustand leerer Häuser beklagen, wir sind auch vergänglich. Dabei hat Vergänglichkeit doch einen Charme, oder? 

Es ist ja oft so. Ein uns bekanntes Gesicht flimmert über den Bildschirm und wir finden „der sieht im Alter besser aus“. Wenigstens interessanter, so mit den feinen Falten und dem grau schimmernden Haar. Der Spiegel zu Hause will über unser Gesicht etwas anderes erzählen. Das hat mit unserem Blick zu tun.
Es muss weg, das Vergängliche, Alte vermeintlich Unansehnliche. Sagen wir über die leeren Häuser.

Anders als bei jenem bekannten Gesicht sieht die leere alte Fabrik um die Ecke hinter den grauen Mauern im Alter nicht besser aus. Finden wir. Aber sie ist interessanter. Finde ich.  Sie atmet das Leben noch von den Menschen die darin arbeiteten.

Zuerst das Pförtnerhäuschen mit den kleinen Gardinen. Gleich könnte Edwin heraustreten in seiner blauen Uniform, immer korrekt zugeknöpft bis unters Kinn. Edwin, der Pförtner, der dich seit zwanzig Jahren kennt und dich trotzdem nach dem Ausweis fragt. Dienst ist Dienst.
Wenn du hinein gehst und still bist kannst du das Tackern der Maschinen noch hören. Stimmen schwirren im Raum und aus den Neonschüsseln unter der Decke brummt es noch immer. Und jetzt zum Schichtwechsel hörst du Wasser rauschen und Männer lachen. In den Waschkauen der modrige Schimmelgeruch ist verflogen.
Dort an den türlosen Spind  neben dem Handtuch sind nackte Frauen gepinnt. Fotos aus dem Magazin. Sie blicken dich an als wollten sie sagen „wir sehen uns morgen“.

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