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Über ein Buch für die Lebensgeister in Coronazeiten

Der in Zeitz lebende Schweizer Beat Toniol0 hat ein Buch herausgegeben. Es ist ein Buch für die Lebensgeister: „WORTE IN ZEITEN CORO-nah + so fern“ Unbedingt lesenswert.

Auch Schiffe,
die vor Anker liegen,
können sinken.

Mal ehrlich, fühlen wir uns in Zeiten Corona nicht etwas wie jene Schiffe im Aphorismus von Ernst A. Rubli? Vor Anker liegend, wartend auf ruhigeres Fahrwasser, hoffend auf Reisen über den Horizont hinaus? Fühlen sich nicht manche von uns ein bisschen wie sinkend?

Nicht so Beat Toniolo, der Schweizer Zeitzer, Künstler, Kulturvermittler, Tausendsassa. Kapitän auf mehreren Schiffen, sozusagen. Nur vor Anker liegen, das ist nichts für ihn. Sinken schon gar nicht. Deshalb kam ihm im April letzten Jahres, also mitten in der ersten Corona-Welle, die Idee ein Buch zu machen. Was denken die Menschen, mit welchen Worten beschreiben sie, was sie bewegt in diesen Zeiten? Er startete einen Aufruf. Heraus kam:

WORTE IN ZEITEN CORO-nah + so fern

Ein lesenswertes, sehenswertes, erfühlenswertes Buch.
90 Seiten vergnügliches, betroffen machendes, berührendes Nachdenken über das Leben in Zeiten Corona. Und darüber hinaus.

Texte und Bilder, vom Profi und Amateuren, vom Schüler bis zum Kabarettisten, vom 12- bis zur 84-Jährigen bringt Toniolo in dem beeindruckenden Band zusammen. Aphorismen, Gedichte, Geschichten, Grafiken, Meinungen von Menschen, die sich mit der Erfahrung eines Lebens mit und zwischen den Shot- und Lockdowns  auseinander setzen. Selbst die Erotik kommt vor. Wieso auch nicht, auch während Corona wird gelebt und geliebt. Das war in der Geschichte der Pandemien wie der Weltkriege nie anders. Auch letztere spielen in dem Buch eine Rolle.

Geschickt würzt Toniolo das Bändchen mit Grafiken. Dabei sind eigene Scribble-Kalligraphien und Grafiken von Ernst A. Rubli, der zudem Aphorismen beisteuerte.

Die Toniolo Kalligraphien sind übrigens auf feinem Pergament gedruckt. Was das Buch noch besonders macht, es enthält fünf unterschiedliche Papiere aus Restbeständen einer Druckerei. Das macht dieses Buch auch haptisch zu einem sinnlichen Erlebnis.

In einem Text schreibt Armin Ziesemer:

„Wenn Altes ab- und Neues die Bühne betritt, fehlen für eine Weile Worte, das Neue zu beschreiben, und es bleibt im Geist schwarz.
Geschichten schaffen durch ihre Motive einen bildhaften Zugang für eine sprachliche Entwicklung beziehungsweise dafür, Unfassbares symbolisch auszudrücken.“

Das Unfassbare ausdrücken, ja, das ist dem Beat Toniolo mit diesem Buch rundum gelungen. Damit es im Geist nicht schwarz bleibt, solange wir wegen Corona vor Anker liegen. Danke Beat!

 

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