Von Grüner Kulturstadt weit entfernt?

Als die „Grüne Wohn- und Kulturstadt an der Weißen Elster“ will sich die Stadt Zeitz künftig nach außen zeigen. So steht es im Leitbild Zeitz 2035. Zur Stadtratssitzung am 8. Oktober machte der Stadtrat einen Schritt zurück und einen weiteren beinahe.

Trauriges Alleinstellungsmerkmal

Zweimal im Jahr dürfen in Zeitz pflanzliche Gartenabfälle verbrannt werden. Der Zeitzer Stadtrat hat mit knapper Mehrheit (14:13) gegen ein generelles Verbrennungsverbot gestimmt. Zeitz macht damit erneut wie schon seit Jahren von einer Ausnahmeregelung Gebrauch. Die Befürworter erhalten mit diesem feurig müffelnden Beschluss nun ein trauriges Alleinstellungsmerkmal aufrecht: zweimal jährlich Rauchfahnen und beißender Gestank so weit das Auge reicht und die Nase riecht. Unter der Überschrift „Die Entwicklungen im Umwelt- und Klimaschutz aktiv aufgreifen und nutzen“ lesen wir im Leitbild unter anderem als Teilziel: Senkung und Bindung des Kohlendioxid-Ausstoßes in der Stadt durch diverse Maßnahmen wie z. B. Renaturierung und Begrünung. Es ist schon bestürzend wie Stadträte ihre eigenen und die Interessen ihrer Klientel über die Interessen der Bevölkerung stellen.

Schlechter Start für Corporate Design

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Das Leitbild sieht auch den klaren Auftrag an die Stadtverwaltung vor, ein Corporate Design für die Stadt Zeitz zu entwickeln. Die erteilte nach Ausschreibung den Auftrag an eine Agentur. Im Februar 2020 wird das Verfahren der Abstimmungen im Stadtrat besprochen und seither danach verfahren. Demnach sollte die Ratssitzung am 8. Oktober abschließend in nicht öffentlicher Sitzung beraten. Vorausgegangen waren Umfragen, eine Klärungsrunde und Vorberatungen in den Ausschüssen. Alles schien klar, bis am Sitzungstag eine Fraktion plötzlich nicht nur eine öffentliche Sitzung sondern auch die direkte Bürgerbeteiligung verlangte. Tags zuvor und am gleichen Tag wurde via Facebook und der lokalen Presse kräftig Wind für eine direkte Bürgebeteiligung gemacht. Aussagen darüber, woher der plötzliche Sinneswandel kommt wurden ebenso wenig getroffen wie darüber, wie eine solche Beteiligung überhaupt erfolgen soll. Möglich, dass hinter dem Argument Öffentlichkeit ganz andere Interessen stehen, benannt wurden die nicht.

Der Antrag im Stadtrat wurde zwar abgelehnt, dennoch hat die öffentliche „Begleitmusik“ den Boden für eine faire Debatte über die, übrigens bisher mehrheitlich befürwortete, Corporate Design-Idee vergiftet.

Und: es stimmt eben nicht, dass Identifikation nur durch direkte Beteiligung an der Entscheidung für ein Erscheinungsbild entstehen kann. Das stimmt nicht für Kommunen, das stimmt nicht für Unternehmen. Viel entscheidender ist das Erscheinungsbild selbst, die Kommunikation und eine glaubhafte gemeinsame Haltung der Entscheider! Dafür gibt es unzählige gute Beispiele.

Es würde dieser gebeutelten Stadt und den Entscheidern in dieser Stadt gut tun, bekämen die Verwaltung der Stadt Zeitz und der Stadtrat ein Jahr nach der Leitbildentwicklung die Chance, gemeinsam ein Corporate Design zu präsentieren, hinter dem sie stehen.

Man darf gespannt sein, was nun bis zum und am 29. Oktober passiert. Dann wird der Stadtrat erneut zum Corporate Design beraten.

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