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Ein Jahr in Weihnachten. Zeit, sich neu zu erfinden.

Für die bevorteilten Bevorteilten in Deutschland ist das Jahr 2010 ein Jahr in Weihnachten. Für andere nicht. Die „Wutbürger“ regen sich indes über andere Dinge auf. Für die Arbeitnehmer wäre es an der Zeit, sich als Arbeiterklasse neu zu erfinden. Arbeiterklasse – was für ein Wort.

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Was wir doch alles neu erfinden – Wutbürger.
Weshalb überhaupt erfinden sich in diesen Tagen nicht Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer neu?
Als Arbeiterklasse.

Es gibt Politiker, die erfinden sich gleich mehrmals neu. Guido Westerwelle erklärt zuletzt im Jahr 2009 den Deutschen „vor ihnen steht die Freiheitsstatue Deutschlands“ und Jürgen Rüttgers erfand sich im gleichen Jahr als der demokratische Arbeiterführer schlechthin. Kurzes Ablästern der Medien und es hat sich.

Das war doch ein Leckerjahr mit vielen geldwerten Vorteilen für die ohnehin Bevorteilten in diesem Land. Übers Jahr gesehen hat sich die Union für ihre Klientel schon frühzeitig den Rotkittel zum Weihnachtsmann spielen umgehängt und üppig Geschenke verteilt.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kennen geldwerte Vorteile gerademal, wenn sich ihr Arbeitgeber an der Essenversorgung im Betrieb beteiligt oder auf Unternehmenskosten zur Jahresfeier einlädt. Da haben es doch Hoteliers und andere Gutverdiener besser.
Eine satte Milliarde jedes Jahr für Hoteliers ließ schon ahnen, wohin Knecht Ruprecht unterwegs sein würde in diesem denkwürdigen Nachkrisenjahr.

Pünktlich vor dem Jahresende erfinden Brüderle und sein Erfindungstrupp ein Rechen- und Argumentationsmodell, das es sogar schafft, zusätzliche Belastungen für Arbeitnehmer als Entlastung auszuweisen. Sie, die Arbeitnehmer nehmen diese Erfindungen hin als würden sie lechzend darauf gewartet haben.
Zwischendurch, fast unbemerkt verabschiedet sich eine Gesundheitsreform vom Solidarprinzip und bürdet zusätzliche Kosten allein den Versicherten auf. Vor allem also Arbeitnehmern.
Kein Wutbürger, der sich regen würde deswegen.
Weshalb also erfinden sich nicht Arbeitnehmer neu? Als Arbeiterklasse. Wer denn soll es richten, wenn nicht die?

Stattdessen erfinden sich neuerdings schon die Bürger. Als „Wutbürger“ erobern sie die deutsche Wörterbühne. Nein, sie wurden erobert und sie wurden erfunden. Und ich frage mich – ist es Bestandteil einer Strategie? Den Bürgern, diesen Wutbürgern das Gefühl geben sie und ihre „Wut“ könne etwas ausrichten in der Gesellschaft. Können sie es? Können sie nicht. Sie regen sich über ganz andere Dinge auf. Stuttgart 21, Castor, Atomenergie sind keine Klassenfrage. Es ist keine Schicht betroffen.

Die Arbeiterklasse also. Was für ein Wort werden manche denken. Dabei gibt es die noch, die Arbeiterklasse. Sie weiß es nur nicht.

Wie lange für wieviel? Er weiß es nicht.

Arbeitnehmer. Das klingt auch freundlicher.
Die „Arbeit nehmen“, was für ein Ausdruck. Und so individuell. Jeder kann dabei schön für sich bleiben. Du nimmst die Arbeit oder du nimmst sie nicht.
Nehme ich das wörtlich hat der Arbeitslose also „keine Arbeit genommen“. Und der Langzeitarbeitslose hat eben lange Zeit keine Arbeit genommen.  Das entspricht dann auch dem Bild, das noch immer vom Langzeitarbeitslosen gepflegt wird – es gibt die Arbeit, sie wird nur nicht genommen.
Ich finde, im Zweifel immer zugunsten des Arbeitnehmers. Also ist ein Arbeitsloser ein Arbeitnehmer ohne Arbeitgeber.
Arbeitnehmer. Jeder für sich, das ist auch besser.
Jedenfalls für den Arbeitgeber. Und für die Politik.

Etwa 40 Millionen Beschäftigte gibt es in Deutschland. Wie viele davon einer Arbeiterklasse zuzurechnen wären ist nicht belegt. Auch über den Arbeitnehmerbegriff ist es nicht exakt zu ermitteln.
Jedenfalls eine gehörige Größenordnung mit gesellschaftlichem Gewicht und um ein Vielfaches mehr als die derzeit zurecht protestierenden Gewerkschaften auf die Straße bringen. Was für mich ohnehin nicht zu begreifen ist.
In diesen Tagen sollten Gewerkschaften Zulauf ohne Ende haben und sich nicht Sorgen um ihren Bestand machen müssen.

40 Millionen Beschäftigte! Dazu die Arbeitnehmer ohne Arbeitgeber – mehr als 40 Millionen, die nicht zu den bevorteilten Bevorteilten zählen.
Mehr als 40 Millionen, die zum Vorteil der Bevorteilten benachteiligt werden.
Mehr als 40 Millionen und nicht jeder für sich. Das würde reichen für eine Klasse.
Eine Arbeiterklasse in Deutschland.
Das würde zu mehr reichen als zum Wort des Jahres.

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